Kategorien
Zauberkunst

Zahlenzauberei

Seit frühester Zeit nutzt der Mensch verschiedene Systeme um Wissen, Techniken und Vorstellungen einerseits zählbar werden zu lassen und auf der anderen Seite zu verschlüsseln. Diese Art der Hermeneutik ist so alt wie die Zahlen selbst und eine solche Zahlenzauberei, Zahlenmystik oder Numerologie fand sich schon im alten Babylon.

Hinter den einzelnen Zahlen stehen wirkmächtige Eigenschaften, Symbole und Kräfte, die sich aber auch kulturell widersprechen und sogar paradox zueinander stehen können. Beispielsweise gilt die 13 im Westen als Zahl des Unglücks, in Südostasien aber als Glücksfall. Sieben gilt als magische Zahl und die 666 ist eine Verschlüsselung für den Antichristen. Zahlen spielen auch in diversen magischen und okkulten Systemen wie der Kabbala und der Gematrie eine wichtige Rolle.

Zahlenzauberei Definition: Was ist die Numerologie?

Numerologie ist übersetzt die Lehre von den Zahlen. Diese Lehre umfasst die Zuordnung zu Wochentagen, Eigenschaften, Merkmalen, Handlungen, Symbolen, aber auch geheimem Wissen und Aberglauben. Das erste Übersichtswerk der Numerologie, die fast deckungsgleich mit Zahlenzauberei bzw. Zahlenmsystik verwendet wird, entstand durch Pietro Bongo Ende des 16. Jahrhunderts.

Aber auch vorher gab es erste Ansätze in den verschiedenen Kulturen Phänomene, die im Zusammengang mit einzelnen Zahlen auftraten zu sammeln und zu tradieren. Moderne Numerologie vergleicht diese Erkenntnisse zumeist historisch und kulturübergreifend. In vielen Systemen besitzen Zahlen gleiche Bedeutungen, aber es kann durchaus auch zu gravierenden Gegensätzen kommen.

Numerologie wird zudem in der Wissenschaft, besonders der Geisteswissenschaft (Geschichte, Theologie, Politik, Anthropologie, Archäologie, usw.) genutzt, um ältere Texte zu verstehen und diese auszuwerten. Ohne das Verständnis der dort verwendeten Zahlen ist es bei einigen Schriften fast unmöglich den genauen Sinn hinter den Worten zu entdecken. Dies hat auch mit einem Bedeutungswandeln mancher Zahlen zu tun sowie ihrer spezifischen, kontextuellen Bedeutung.

Verwandte der Zahlenmystik: Gematrie und Kabbala

Die Gematrie (gr. übersetzt „Landvermessung) bezeichnet die Nutzung von Schriftzeichen als Zahlzeichen im Hebräischen, Altgriechischen und frühen Arabischen. Anstatt Zahlen zu nutzen, wurden Buchstaben-Kombinationen in einer festgelegten Reihenfolge oder durch Wertzuordnung genutzt, um Mengenangaben zu tätigen.

In diesem System haben gleichen Werte daher durchaus eine Verbindung zueinander. Gerade das rabbinische Judentum entwickelte ausgehend von der Tora eine ganze Reihe an solchen Gleichungen, die sich innerhalb des Alten Testaments widerspiegeln. Der Wert des Messias (hebr. משיח) entspricht dem der Schlange (hebr.נחש), welcher 358 beträgt. Dies symbolisiert die Tücke der Schlange dem Menschen als falscher Erlöser zu erscheinen.

Der Zahlenwert von Gott in Form des Tetragrammatons (יהוה (JHWH)) beträgt 186. Zu den bedeutendsten Zahlenwerten gehört die 666, welches den Gegenpart, die Zahl des Antichristen bildet: „Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666 (Offenbarung 13,16–18).“

Zahlreiche Exegeten vermuten darin einerseits eine Beschreibung des Kaisers Nero, dessen Zahlenwert dieser Summe entspricht, als auch eine Aussage über den endzeitlichen Feind Gottes. Solche Zahlenzauberei spielt aber auch in der Kabbala in all ihren Formen eine Rolle. Verschieden Spielarten dieser Geheimlehre versuchen anhand von Zahlen das Sein des Menschen zu ergründen.

Besondere Zahlen und ihre Bedeutung in der Mystik

zahlenmystik-und-zahlenzauberei-kabbalaAlle Zahlen und ihre Bedeutung abzudecken, ist ein unmögliches Unterfangen, aber nicht alle Zahlen haben im Alltag eine so große Berühmtheit wie die „3“ oder die „13“ erlangt. Daher sollen an dieser Stelle lediglich die wichtigsten besprochen werden.

Eine kleine Hermeneutik der Zahlenmagie:

  • 0 (Null): Die Null steht für die Nicht-Zahl oder das Nicht-Seiende. Biblisch gesehen war die Null vor dem Etwas, weswegen die Schöpfung auch meistens als creatio ex nihilo (Schöpfung aus dem Nichts) beschrieben wird. Durch das Fehlen von Fülle und Form steht die Null in der kabbalistischen Tradition für das grenzenlose und Ewige. In paganen Kulturen nimmt die Null die Rolle eines Welteis ein oder für die ursprüngliche androgyne Einheit des Menschen.
  • 1 (Eins): Die Eins steht für das oder den Einen, die Monade, das Unteilbare und Absolute. Die Eins steht der Sonne und dem Mann sowie der Gottheit in Form des Vaters nahe. Im fernen Osten steht sie für Yang, das männlich, göttlich, himmlische sowie glückliche Element. Eine besondere Bedeutung kommt der Zahl im Islam zu, ist es doch die wichtigste Eigenschaft Gottes. Alle Zahlen lassen sich aus der Eins bilden, wodurch der Ursprung in ihr liegt.
  • 2 (Zwei): Zwei ist die Zahl der Dualität und des Gegensatzes. Daher vereint die Zahl gute und böse Elemente in sich, denn sie ist auch die Nummer der Trennung. Die Zwei symbolisiert Beziehung zwischen den Menschen, aber auch zwischen Mensch und Gott. Im Christentum steht sie für Christus mit seinen zwei Naturen, im Hinduismus und Buddhismus für das Yang, das ewig-weibliche, irdische und unheilvolle Element. In der Natur finden sich zahlreiche Paare, die sich ergänzen: Sonne und Mond, Gut und Böse, Liebe und Hass, usw.
  • 3 (Drei): Die Drei ist eine der komplexesten Zahlen in der gesamten Numerologie. Sie steht für die Göttlichkeit (Trinität), die Natur (Himmel-Erde-Unterwelt), das Schicksal, Vater-Mutter-Kind, die Auferstehung und den heiligen Geist. Drei ist ebenfalls die Gesamtheit des Menschen (Körper-Seele-Geist) sowie die Abgeschlossenheit, aber auch die Zahl des Buddhas, des Dharmas und der Samgha sowie dem Glück im Hinduismus. Alles was es auf der Erde gibt, liegt in einem der drei Aggregatzuständen vor.
  • 4 (Vier): Die Vier ist die Gegenzahl zur Drei, steht sie in erster Linie doch für das Weltliche, symbolisiert in den vier Elementen, vier Jahreszeiten, den vier Himmelrichtungen, den vier Signaturen bzw. Säften sowie Temperamenten, aber auch für Ebenmäßigkeit (Quadrat, Kreuz) sowie das Materielle. Im Christentum verdeutlichen die vier Evangelien das Wissen über Gott, während der Gläubige im Islam Gott am Ende der vier Stufen der Gotteserkenntnis erblickt.
  • 5 (Fünf): Fünf ist die Zahl des Kreis sowie der Sterne. Im Islam stehen an erster Stelle die fünf Säulen des Glaubensbekenntnisses (Mildtätigkeit, Fasten, Pilgerfahrt, Glaubensbekenntnis und Gebet). Der Mensch verfügt über fünf Sinne, die er zur Erkenntnis nutzen kann. Das nach oben ausgerichtete Pentagramm ist ein Abbild des Kosmos und Schutzsymbol, der Mensch strebt in ihm nach geistigem Wissen und Weisheit. Kehrt man dieses um, bildet es ein potentes Symbol der Schwarzen Magie und dem okkultistischen Praktiken. Im Buddhismus symbolisiert die Fünfzahl die Elemente sowie das Universum.
  • 6 (Sechs): Die erste vollkommene Zahl (Alle Teiler ergeben 6 als Summe, 1+2+3) steht für das vollende Gleichgewicht im Sechseck bzw. zwei ineinander verschlungenen Dreiecken. Damit ist sie auch die Zahl Davids (Der Davidsstern). Sechs ist für die und die Polare Ordnung des Tages und der Nacht, aber auch die Zahl des Glücks und der Harmonie. Biblisch steht sie für Vollkommenheit und im Islam für den weisen Schöpfergeist Gottes. Im Buddhismus umfasst die Sechs alles Sein (Vier Himmelrichtungen + Oben und Unten).
  • 7 (Sieben): Die Sieben ist eine wichtigsten Zahlen, kombiniert sie doch in sich Himmel (3) und Erde (4) zu einer Einheit. Der Islam kennt sieben Himmel und sieben große Propheten, im Hinduismus und dem alten chinesischen Glauben gibt es die sieben Chakren. Sieben Gestirne stehen am Nachthimmel und die Tonleiter kennt sieben Töne. Es gibt sieben Tugenden und die gleiche Anzahl an Wurzelsünden. An sieben Tagen wurde die Welt geschaffen und die Offenbarung ist verschlossen mit sieben Siegeln. Im Buddhismus steht die Sieben für den Aufstieg und die Erlösung.
  • 9 (Neun): Neun ist eine Zahl der Magie, drei x drei ist die Potenzierung des Himmels und Glücks im Buddhismus, daher stellt sie dort die wichtigste Zahl da. Neun ist die dreifache Triade, die Zahl der himmlischen Engelschöre und der verschiedenen Kreise der Hölle. Im Islam besteht das Universum aus neun Sphären der Existenz. Es gibt neun Musen für die neun Arten der Kunst.
  • 11 (Elf): Die erste der modernen sogenannten Meisterzahlen, da der Effekt der einzelnen Zahlen verdoppelt ist. AM 11.11 beginnt die Fastnacht, aber die Elf liegt auch ungünstig und markiert mit dem Übertritt nach der 10 den Beginn der sündhaften Übertretung der göttlichen Gebote. Im fernen Osten spielt die Zahl überhaupt keine Rolle. Im Tarot symbolisiert sie Gleichgewicht und Kraft.
  • 12 (Zwölf): Diese Zahl charakterisiert den Abschluss eines Zyklus und damit die kosmische Ordnung. Zwölf Stunden haben Tag und Nacht und 12 Monate das Jahr. Zwölf entspricht 3×4 und wird dadurch zu einer Zahl der Vollkommenheit. Es gibt zwölf Sternzeichnen und zwölf Apostel sowie die zwölf Stämme Israels. Der verborgene zwölfte Imam gilt im Islam als endzeitlicher Retter der Menschheit.
  • 13 (Dreizehn): Die Dreizehn ist im Westen als Unglückszahl bekannt, denn sie ist die Zahl der Unvollkommenheit und die teuflischer Wesen sowie des Verrats durch Judas Ischariot. Im Koran steht die 13 für den tosenden Donner. In Fernost gilt sie aber häufig als glücksbringende Zahl. Die Hinrichtung Jesu soll an einem (Kar)Freitag dem 13. stattgefunden haben. Aufgrund von selbsterfüllenden Prophezeiungen geschehen an diesem Tag mehr Unfälle.

Wer sich tiefer gehend mit dem Thema der Zahlenzauberei auseinandersetzen möchte, findet auch größere Kataloge, die gesamte Kulturgeschichte der jeweiligen Zahl nachzeichnen und ihre Veränderung diskutieren. Eine große Bedeutung übte in der menschlichen Entwicklung jedoch die „Erfindung“ der Zahl Null aus, die insbesondere im philosophischen und wirtschaftlichen Gebiet erst diverse Anwendungen und Betrachtungen ermöglichte.

Onomantie – Die Zahlen des eigenen Lebens nutzbar machen

Mit der Onomantie verwandt ist die bereits erläuterte Gematrie, die sich zudem noch in unterschiedliche Teilbereiche wie die Literamantie sowie die Grammatomantie und Logarithmomantie einteilen lässt. Allen gemein ist aber, dass sie anhand der alphabetischen Summe, der Quersumme des Namens oder der alphabetischen Kurve die Zukunft bzw. das Schicksal des Namensträgers bestimmen wollen.

Diese numerologische Zahlenzauberei gehört zur Unterart der Divination, also der Hellsicht. Es gibt zwei einfach selbst zu bewerkstelligende Arten. Dafür nutzt man das Alphabet und ordnet jedem Buchstaben einen Ziffer zu. A entspricht der 1, während das Z entweder die 26 zugeordnet wird oder wenn man nur mit Ziffern arbeitet, die Zahlen sich nach der 9 wiederholen, womit das „J“ erneut den Wert „1“ tragen würde.

Anhand dessen, lässt sich dann der Wert des eigenen Namens errechnen. Vor- und Nachname sind getrennt in dieser Zahlenzauberei auszurechnen. Die Quersumme entspricht der dem eigenen Leben zugeordneten Ziffer. Da viele Zahlen in unterschiedlichen Systemen unterschiedliche Bedeutungen tragen, sollte man sich auf ein solches System vorher einigen.

Beliebt sind jedoch die Populär-Kabbala oder die Eigenschaften, die der Tarotkarte gleicher Nummer zugeordnet werden. Die größte Bedeutung hat jedoch das hebräische Alphabet und die den Buchstaben in diesem Kontext zugeordneten Zahlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.